Die Atomlüge

NDR-TV-Dokumentation von Gesine Enwaldt  zum Film

Atomstrom ist sauber, sicher, unschlagbar effizient und billig - behauptet die
Atomindustrie heute wieder mehr denn je. Die Diskussion um die Atomenergie
ist hoch aktuell. Laufzeitverlängerung oder Ausstieg, diese Frage spaltet die
Bevölkerung im Land. NDR Autorin Gesine Enwaldt ist für 45 Min auf Spurensuche
gegangen. Wie sicher sind heute deutsche Atomkraftwerke im alltäglichen Betrieb
und in Zeiten der Terrorgefahr? Was passiert eigentlich, wenn mal etwas passiert?
Und wohin mit dem Atommüll? Was alles zahlt der Steuerzahler?


Interview mit der Autorin:
"Wir waren entsetzt über unsere Erkenntnisse"

Über das Gift Radioaktivität und die Dreharbeiten in einem Kernkraftwert spricht
Gesine Enwaldt im Interview. Viele ihrer Recherche-Ergebnisse haben die Autorin
selbst überrascht und "entstetzt".

NDR.de: Wie sind Sie bei Ihrer Spurensuche vorgegangen? Was war die
Ausgangsfrage?

Gesine Enwaldt: Wir sind von den Argumenten der Atomwirtschaft ausgegangen.
Was sagt sie zu den Fragen der Kraftwerkssicherheit und der Terrorgefahr? Dann
haben wir uns auf den Weg gemacht, um diese Behauptungen zu überprüfen und
sind dabei auf teilweise sehr überraschende Ergebnisse gestoßen. Außerdem
wollten wir wissen, wie eigentlich die Bevölkerung in der Umgebung auf einen
möglichen Reaktorunfall, einen sogenannten Gau oder Super-Gau vorbereitet ist.
Die Antworten, die wir gefunden haben, sind nicht eben beruhigend. 

NDR.de: Wer waren Ihre Gesprächspartner? Gab es dabei Probleme sie zu finden?

Gesine Enwaldt: Grundsätzlich war es sehr schwer, einen Vertreter der Atomwirtschaft
vor die Kamera zu bekommen. Bei dem Vattenfall-AKW Krümmel in Geesthacht
hatten wir Glück. Sie haben uns durch das Kraftwerk geführt und sich unseren
Fragen gestellt. Ansonsten sind die Vorstandsvorsitzenden der Energiekonzerne,
die Atomlobbyisten, derzeit zurückhaltend, vor allem wegen der laufenden Debatte
über längere Laufzeiten und den Ausstieg vom Ausstieg.

NDR.de: Waren Sie von manchen Recherche-Ergebnissen überrascht?

Gesine Enwaldt: Ja. Das Terrorrisiko war mir beispielsweise vorher nicht so bewusst.
Das gleiche gilt für die vielen Fragen, die den laufenden Betrieb von Reaktoren
betreffen und das Leukämierisiko für Kleinkinder. Die bleiben auch leider offen.

NDR.de: Können Sie verstehen, dass sich viele Menschen mit der Gefahr durch
Atomkraftwerke nicht auseinandersetzen?

Gesine Enwaldt: Radioaktivität ist ein Gift, eine Bedrohung, die man nicht sieht,
riecht oder spürt. Man kann ein Atomkraftwerk wunderbar verdrängen,
wahrscheinlich besser als eine stinkende Chemiefabrik. Die Folgen, die ein Unfall
haben würde, sind wiederum so unvorstellbar groß, dass es auch zutiefst
menschlich ist, dies zu verdrängen.

NDR.de: Wie ist es Ihnen selbst damit gegangen? Wie gehen Sie mit Ihrem neuen
Wissen um?

Gesine Enwaldt: Nicht nur ich, sondern auch mein Team war immer wieder entsetzt
über diese Erkenntnisse. Wir haben in den Drehpausen sehr viel darüber geredet
und sind, glaube ich, jetzt alle davon überzeugt, dass die Atomkraft keine
Energieform der Zukunft sein darf.

NDR.de: Sie haben im Kernkraftwerk Krümmel gedreht. Wie fühlt es sich an,
in einem Atomkraftwerk zu sein?

Gesine Enwaldt: Es ist beunruhigend. Immer wieder ist unsere mögliche
Strahlenkontamination gemessen worden, wir mussten mehrere Paar Überschuhe
aus und wieder neue anziehen. Man weiß, da könnte etwas sein, etwas, das für den
Körper gefährlich sein könnte, aber man würde es niemals sehen, schmecken oder
riechen. Wir brauchten großes Vertrauen, das hatten wir allerdings auch.

NDR.de: Glauben die Vertreter der Atomkraftbefürworter tatsächlich alles,
was sie behaupten?

Gesine Enwaldt: Ich kann es mir kaum vorstellen. Vattenfall behauptet zum
Beispiel vor unserer Kamera: Ein Endlager für hochradioaktiven Müll sei technisch
kein Problem. Wer auch nur beiläufig die Diskussion um ein solches Lager verfolgt
hat, wird Schwierigkeiten haben, diese Meinung nachzuvollziehen.

NDR.de: Was halten Sie davon, dass der CDU-Umweltminister Norbert Röttgen
in der Atomfrage offensichtlich einen neuen Kurs einschlägt?

Gesine Enwaldt: Das ist schwer einzuschätzen. Die Hoffnung stirbt allerdings zuletzt.
Vielleicht ist Minister Röttgen ja tatsächlich davon überzeugt, dass die Atomkraft
keine Zukunftstechnologie ist und dass die alternativen Techniken nicht nur sicherer
sind, sondern auch eine Riesenchance bieten, weil es ein Riesenmarkt sein wird.
Vielleicht sind es aber auch nur politische Schachzüge, um dem Koalitionspartner
FDP zu zeigen, dass es Alternativen gibt und um für die NRW-Wahl schwarz-grüne
Türen zu öffnen.

NDR.de: Eine Gefahr durch Atomkraft scheint auf den ersten Blick wenig greifbar.
Die Strahlung ist unsichtbar. Können Sie sie in wenigen Worten veranschaulichen?

Gesine Enwaldt: Leider nicht, das ist mir auch jetzt noch ein Rätsel.

Autorin/Autor: Ulla Brauer
Stand: 19.02.2010 14:49



Achtung Humor!
Rette das AKW Mühleberg! zum Spiel...

 

 


Aktuelle Bilder aus Tschernobyl

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Sprache als politisches Weisswaschmittel

  

Eine Blüte der Desinformation und des Greenwash erleben wir im Zusammenhang mit Klimawandel und Atomenergie. „Es gibt keine menschengemachte Klimaveränderung“ war eine der vielen Werbeaussagen der PR-Firma Burson Marsteller im Auftrag der Öl- und Kohlekonzerne in den USA. „Wegen der drohenden Klimaveränderung brauchen wir unbedingt mehr Atomkraftwerke“ ist nun die gegensätzliche, neue Werbebotschaft von Burson Marsteller, denn die industriellen Meinungsmacher arbeiten jetzt auch für die Atomkonzerne. Der Begriff Atomkraftwerk wird von vielen Menschen immer noch mit der Atombombe assoziiert. Darum wurde schon vor Jahrzehnten der harmloser klingende Begriff der Kernenergie eingeführt. Eine Offenbarung in Sachen Neusprech ist die Notfallschutzbroschüre des Regierungspräsidiums Freiburg für das AKW Fessenheim. Aus dem Katastrophenschutz wurde der Notfallschutz, aus dem Atomunfall das Ereignis und Radioaktivität tritt bei diesem Ereignis nicht etwa unkontrolliert aus, sondern Radioaktivität wird freigesetzt... Auch auf vielen Wikipediaseiten heißt der AKW-Schornstein zur Abgabe von krebserzeugender Radioaktivität immer noch Abluftkamin.

  

AKW – KKW
Atomkraftwerk – Kernkraftwerk
Plutonium-AKW – Schneller Brüter
Atommülllager – Entsorgungspark
Atomunfall – Ereignis
Atomkatastrophe – bedeutsames Ereignis
Katastrophenschutz – Notfallschutz
Katastrophenschutzbroschüre - Notfallschutzbroschüre
Austritt von Radioaktivität – Freisetzung von Radioaktivität
Entgiftung – Dekontamination
AKW-Schornstein – Abluftkamin


Georg Orwell war ein realistischer Visionär. Er hat Neusprech, die Gedankendiktatur und den Überwachungsstaat beschrieben. Viele Diktaturen des letzten Jahrhunderts in Ost und West waren schrecklich, aber glücklicherweise technisch noch unvollkommen. Heute, in der Demokratie, sind wir da technisch „weiter“. Das zentrale Problem der Menschen sind nicht die unter entsetzlichen Opfern überwundenen Katastrophen und Diktaturen. Das Problem ist unsere offensichtliche Unfähigkeit daraus zu lernen. Gegen Neusprech, Propaganda und Greenwash lässt sich in der real existierenden Demokratie leichter angehen als in einer Diktatur. Wann, wenn nicht jetzt, sollten wir beginnen, uns gegen die Manipulation der Sprache und des Denkens zu wehren?

Ein persönlicher Debattenbeitrag von Axel Mayer
(Der Autor ist BUND-Geschäftsführer in Freiburg, Kreisrat und Vizepräsident im Trinationalen Atomschutzverband)

Mein Dank geht an Walter Mossmann und Gerhard Peringer für die kritische Durchsicht dieses Textes

Mehr Infos Greenwash: vorort.bund.net/suedlicher-oberrhein/idx-greenwash.html

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Daniel Oberle und drei weitere Berufsmittelschüler fragen Ruedi Rechsteiner

"Braucht die Schweiz neue Atomkraftwerke?"
  

im Rahmen ihrer interdisziplinären Projektarbeit
  

 

Was halten Sie vom Thema „neue erneuerbare Energien“?

Erneuerbare Energien bilden den am schnellsten wachsende Wirtschaftssektor.
Sie sind essentiell für die Klimapolitik und können jeglichen Bedarf nach Energie decken.

  

Wie stellen Sie sich Stromproduktion in der Schweiz in naher Zukunft vor?

Die Atomkraftwerke laufen in den nächsten Jahrzehnten aus, ab 2009 treten die Einspeisevergütungen
für neue erneuerbare Energien in Kraft.
Grob gesehen werden wir unseren Energiebedarf wie folgt decken:

a)     
Die Atomkraftwerke im Inland werden durch erneuerbare Energien ersetzt.
Zuerste mit Wasserkraft,  Windenergie  und Biomasse, ab 2015 in grossem Stil durch Photovoltaik  .

b)     
Die französichen Atombezüge aus dem Ausland (2,5 GW= 2,5 Gösgen) werden durch Strombezüge
an Wind und Solarenergie aus dem Ausland ersetzt. Die Stadt Zürich ist bereits daran, für 100-200 Mio. Fr.
Windfarmen einzukaufen. Diese Ressorucen sind kostensicher, lliefersicherung und wettbewerbsfähig.

c)     
Der Gebäudepark wird auf Minergie umgestellt, spart enorme Mengen an Energie und CO2.

d)    
Die Autos werden mit Windstrom aus Europa betrieben.

  

Was halten Sie vom Thema „Stromlücke“?

Das ist eine Erfindung der Atomlobby. In einem Markt gibt es nie „Lücken“. Allenfalls steigen bei Knappheit
die Preise und neue Anlagen werden gebaut. Es gibt auch in der Schweiz keine Lücke, sondern einen Ersatzbedarf
für Atomkraftwerke, welche wir schliessen müssen, wollen und können. Wir brauchen keine neuen Atomkraftwerke.
Dieser Bedarf kann zu 100% durch erneuerbare Energien gedeckt werden.   

  

Wie wollen Sie die 40% der gesamt Stromproduktion, die aktuell vom KKWs produziert werden ersetzen?

Durch Strom aus Windenergie, Biomasse, Wasserkraft, Photovoltaik und Geothermie sowie Energieeffizienz
(A-Klasse für alle) beim Energieverbrauch.
Siehe dazu die Vorschläge für den Kanton Bern, die Sie 1:1 auf die ganze Schweiz übertragen können.

  

Wie stellen Sie sich den „Atomausstieg“ vor?

Als schrittweise Stillegung der bestehenden Atomkraftwerke wie in Deutschland, Italien usw.   

  

Wie stehen Sie zum Thema „Endlagerung“

Es gibt nirgends auf der Welt ein funktionierendes „Endlager“ für hochradioaktive Abfälle  sondern nur Atomlager,
die man ständig überwachen und später auch wieder sanieren muss. Die Idee, das Ganze habe ein „Ende“, wenn
man die Abfälle irgendwo vergräbt und das Lager dann verschliesst, ist eine Propagandalüge der Atomlobby.
(Siehe Kölliken, Sanierungskosten seit 1980 ca. 500 Mio. Fr., oder Asse, wo das vermeintliche „Endlager“ schon nach
40 Jahren für Mio. Euro  saniert werden muss.)  
Die Sanierungskosten bezahlen die nachfolgenden Generationen, ein krimineller Akt einer entgleisten, entmenschlichten
Industrie…

Gemäss dem Abfallkonzept der Schweiz gilt es als erstes, Abfälle zu vermeiden.  Also müsste man bei der Dikussion
um Atomlager als erstes einen Plan zur vermeidung von Atommüll (=Schliessung der Atomkraftwerke) vorlegen.   

  

Was wären Ihrer Meinung nach die besten Alternativen für ein KKW?

Auf der ganzen Welt ist der Marktanteil der Atomenergie rückläufig.  Die am schnellsten wachsenden Techniken
sind Windenergie und Solarenergie, die ihre Umsätze alle zwei Jahre verdoppeln. Die Elektrizitätswirtschaft hat
längst Antworten auf diese Frage, aber in der Schweiz sind wir ein bisschen rückständig, siehe Frauenstimmrecht,
AHV usw. , die alle ungefähr 60-80 Jahre nach der Einführung durch die Nachbarländer eingeführt wurden.
  

Konkret für die Schweiz:  Die Einspeisevergütungen sollten nicht länger beschränkt werden. Es gibt ja Tausende
von Gesuchen, die nicht realisiert werden können, weil der Bund die Einspeisevergütungen  beschränkt hat.
Siehe Grafik unten
  

Wie in Deutschland sollte jeder und jede, auf dem Dach eine Solarenergie mit kostendeckender Vergütung installieren
dürfen. Dann sind die Probleme in den nächsten Jahren gelöst. Die Kosten für Photovoltaik sinken pro Jahr um 8%,
d.h. nach einer kurzen Übergangsphase bis zur Massenproduktion sind alle diese Techniken wettbewerbsfähig.  
 

Bitte schauen sie sich einfach den Bericht „Bern erneuerbar!“ an. Ich arbeite derzeit an einem neuen
Bericht „Schweiz erneuerbar“. Gemessen an den Wachstumsraten der erneuerbaren Energien ist es klar, wohin wir
uns bewegen: richtung Vollversorgung mit erneuerbaren Energien. Alles andere sind Rückzugsgefechte.

  

Mit freundlichen Grüssen
 

Dr. Rudolf Rechsteiner, Nationalrat  

  

  

12 Argumente von Ruedi Rechsteiner

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